Mögliches Atommüll-Endlager in Schweden

25.03.2011

Im schwedischen Forsmark, ungefähr 200 Kilometer von Stockholm entfernt, plant der Kraftwerkbetreiber Svensk Kärnbränslehantering, kurz SKB, das weltweit erste Endlager für Atommüll einzurichten. Umschlossen von einer tonnenschweren Kupferkapsel und wasserdichtem Beton, sollen die hochgiftigen, verbrauchten Brennstäbe in einer Tiefe von 500 Metern in uraltem Granitgestein lagern. Mindestens 100.000 Jahre muss der hochgiftige Atommüll so im Erdinneren verweilen, um eine Gefährdung der Umwelt weitestgehend auszuschließen.

Zwischenlager bergen großes Risiko

Bisher in Schweden produzierter Atommüll wird derzeit in Zwischenlagern mit Wasser gekühlt. Die Kühlung ist allerdings stark von der Stromversorgung abhängig. Sollte diese einmal aus unterschiedlichen Gründen ausfallen, könnt es zur Katastrophe kommen. Wie unvorhersehbar solche Ereignisse sind, zeigten die jüngsten erschreckenden Vorkommnisse im japanischen Atomkraftwerk Fukushima. Die Industrie setzt deswegen auf einen möglichst sicheren und schnellen Weg zur Endlagerung von Atombrennstäben.

Sichere Endlagerung ist noch umstritten

SKB beurteilt den Standort Forsmark für eine solche Endlagerung als besonders geeignet, da das Atomkraftwerk Forsmark in unmittelbarer Nähe liegt, so dass der dort produzierte Strahlenmüll ohne lange Transportwege im Erdreich versenkt werden kann. Weiterhin sind mit einem stabilen Granit, der wenig Risse und Spalten aufweist, die geologischen Voraussetzungen für eine langfristige Lagerung anscheinend gegeben. Wie sicher diese Methode allerdings tatsächlich ist wird unter Forschern noch stark diskutiert. Die Königlich Technische Hochschule in Stockholm konnte mit Experimenten nachweisen, dass Kupfer in der Tiefe ohne das Vorhandensein von Sauerstoff schneller zerfällt als bisher angenommen. Träte dieser Fall ein, käme der Atomabfall in Kontakt mit Grundwasser und giftige Stoffe könnten an die Oberfläche dringen.

Inbetriebnahme des Endlagers frühestens 2022 möglich

SKB weist solche Einwände von der Hand und setzt auf eigene Sicherheitsanalysen, die andere Ergebnisse brachten. Eine endgültige Entscheidung über den Bau des Endlagers muss nun die schwedische Regierung treffen. Läuft alles nach Plan des privaten Energiebetreibers könnten schon ab 2022 die ersten Kupferkapseln in die Tiefe transportiert werden. Eine extra einberufene Expertenkommission soll nun für weitere Klarheit sorgen.

Schweden gilt als atomfreundliches Land und die konservative Regierung plante nach ihrem Amtsantritt 2009 Laufzeitverlängerungen für Kraftwerke von bis zu 30 Jahren. Derzeit sind noch 10 Atommeiler in Betrieb, der Bau weiterer Kraftwerke ist geplant. Inwieweit diese Pläne allerdings in die Tatumgesetzt werden, ist nach der Erdbebenkatastrophe in Japan und dem dort drohenden atomaren Gau noch ungeklärt.

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