Familienpolitik: Schweden als europäisches Vorbild

Schweden gilt allgemein als Vorzeigeland wenn die Rede von Familienpolitik ist. Hier lohnt es sich genauer hinzuschauen: Ein wichtiges Anliegen der schwedischen Politik ist, die Gleichberechtigung der Geschlechter weiter voranzutreiben. Weiterhin orientiert sich der Staat dabei am Leitbild berufstätiger Eltern. Die volle Integration von Frauen sowie Männern in den Arbeitsmarkt ist in Schweden eine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig sollen die Voraussetzungen dabei so geschaffen sein, dass nebenbei die gewünschte Zahl an Kindern groß gezogen werden kann.

Schwerpunkt liegt auf der Kinderbetreuung

Einen entscheidenden Faktor bei der Verwirklichung dieser Grundsätze, stellt die Kinderbetreuung dar. Schwedens Regierung übernimmt hier eine große Verantwortung und investiert in zahlreiche Kinderbetreuungsstellen, so dass teure Privateinrichtungen und Betriebskindergärten größtenteils überflüssig geworden sind.
In der Praxis sieht es so aus, dass alle Kinder ab einem Jahr in Schweden das Recht auf einen Betreuungsplatz haben. Erwerbstätige Eltern können angeben, für wie viele Stunden pro Woche sie eine Betreuung wünschen. Nicht-Erwerbstätige haben ebenfalls einen Betreuungsanspruch, allerdings für höchstens 3 Stunden pro Tag. Die Beiträge für die Kinderbetreuung sind gestaffelt nach Einkommen, Anzahl der Kinder und Dauer der Betreuung, übersteigen aber in keinem Fall einen landesweit festgesetzten Betrag.
Wichtig ist die grundsätzliche Möglichkeit der Ganztagsbetreuung, die in Deutschland in diesem Maße nicht gegeben ist.
Ab dem sechsten Lebensjahr gehen schwedische Kinder für ein Jahr in eine so genannte Vorschule, die obwohl nicht obligatorisch, von rund 80 Prozent genutzt wird. Schulpflichtige Kinder haben bis zum 12. Lebensjahr nach Schulschluss ebenfalls Anrecht auf eine Betreuung nach Unterrichtsende sowie vor Unterrichtsbeginn.

Gehaltsabhängiges Elterngeld

Neben diesem hervorragend ausgebauten Kinderbetreuungsnetz setzt die schwedische Familienpolitik weiterhin auf ein einkommensabhängiges Eltergeld, das sich an der Höhe des Gehaltes des Elternteils orientiert, der sich im Jahr nach der Geburt hauptsächlich um das Kind kümmert. Insgesamt können Eltern für 480 Tage 18 Monate Elterngeld bekommen, wobei zwei Monate nur den Vätern vorbehalten sind und verfallen, wenn sie nicht genutzt werden.

Verwirklichung jeglicher Lebensformen ist möglich

All diese Maßnahmen zeigen, dass der schwedische Staat unter Aspekten der Gleichberechtigung jedem Einwohner die Verwirklichung seines eigenen individuellen Lebensentwurfes ermöglichen möchte. Wenn dazu Kinder und Karriere gehören, sieht er sich in der Pflicht die Voraussetzungen zu schaffen, damit dies möglich ist. Der Erfolg gibt Vater Staat Recht: Frauen mit Hochschulabschluss bleiben in Schweden im Vergleich zu Deutschland deutlich seltener kinderlos. Die optimale Familienpolitik spiegelt sich auch in der Geburtenrate wider. Die zusammengefasste Geburtenziffer liegt mit 1,8 Kindern pro Frau wesentlich höher als beispielsweise die deutsche, die bei 1,49 Kindern pro Frau liegt.

Weitere Beiträge

Tags: , , , , , ,