Schwedens Bildungsminister besucht Bildungskonferenz in Erfurt

23.09.2011

Der schwedische Bildungsminister Staffan Carlsson und Christoph Matschie, Thüringens Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur diskutierten bei der Schwedisch-Thüringischen Bildungskonferenz in Erfurt über den Austausch und die Zukunft der Bildungssysteme beider Länder. Wichtig sei es vor allem, von den Stärken des Anderen zu lernen, betonte Matschie. Das schwedische Bildungssystem ist anders als das deutsche zentral aufgebaut. Das bedeutet, dass Regierung und Reichstag über Bildungsfragen entscheiden und somit das Bildungssystem in Schweden einheitlich aufgebaut ist. In Deutschland hingegen sind Bildungsfragen Ländersache, so dass es teilweise zu deutlichen Unterschieden in den 16 Bundesländern kommen kann.

Schwedisches Schulsystem- Gemeinschaftsschule längst Realität

Schwedische Kinder besuchen zunächst eine Vorschulklasse auf freiwilliger Basis bevor sie in die 9 jährige Grundschule wechseln, die für alle Schüler obligatorisch ist. Hier werden erst ab der achten Klasse Noten vergeben, die von „Genügend“ bis „Sehr gut“ reichen. Schüler die schlechtere Ergebnisse zielen bekommen eine gesonderte schriftliche Beurteilung. Am Ende der Grundschulzeit werden in den Basisfächern Prüfungen abgelegt, die helfen sollen, den  Wissensstand des Schülers in die Vorgaben der Lehr- und Kurspläne einzuordnen. Nach der Grundschule wechseln die meisten Schüler in das Gymnasium, das noch einmal für drei Jahre besucht werden kann. Auf dem Gymnasium haben Schüler die Möglichkeit einen praxisorientierten, berufsvorbereitenden oder einen theoretisch orientierten, studienvorbereitenden Bildungsweg einzuschlagen. Bestimmte Grundfächer wie Mathematik sind für alle Gymniasasten verpflichtend. Der Weg an die Universität steht sowohl Absolventen des praktischen, als auch des theoretischen Programms offen.

Gegenseitiger Austausch bereichert beide Länder

Wichtiger Grundsatz in Schweden ist, dass sowohl Grundschule als auch Gymnasium schon seit mehr als 50 Jahren offen für alle Schüler, ganz gleich ihrer Herkunft oder ihres Leistungsstandes, sind. Die Gesamtschule hat in Deutschland hingegen eine junge Tradition und konnte sich bislang gegenüber des dreigliedrigen Schulsystems, das sich nach Schulleistungen bei Grundschulabschluss orientiert, lange nicht durchsetzen. Weiterhin könnte Schweden als Vorbild für die Förderung leistungsschwacher Schüler dienen. „Sitzenbleiben“ ist hier fast nicht möglich, stattdessen greifen bestimmte individuelle Förderungsprogramme, werden die angestrebten Leistungen nicht erreicht. Im Gegenzug erhoffe sich Schweden Nachhilfe in Sachen Jugendarbeitslosigkeit. Der Übergang vom Gymnasium ins Berufsleben laufe in Schweden nicht optimal ab, so Carlsson. Von Deutschland erhoffe man sich nun Anregungen für die Umstrukturierung des Oberstufensystems in Richtung eines dualen Systems bestehend aus Berufsausbildung und Berufsschule.

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